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Impulsabend zu KI und Businessmodellen

Am 1. Juli fand der Impulsabend zu KI & Businessmodelle im Rahmen des Projekts KI für Startups vom Technologie- und Innovationszentrum Gießen statt!

Im virtuellen Format sprachen die Referent:innen Tobias Kehl, Innovationsmanager bei hessian.ai, Dr. Olena Linnyk von milch & zucker, Stefan Braunewell von deepc und Daniel Herr des Fassadenspezialisten Federmeister über neue und alte Geschäftsmodelle und wie man Künstliche Intelligenz sinnvoll integriert, um daraus Vorteile für den eigenen Betrieb und die Gesellschaft zu gewinnen.

Tiefer wurden Themen behandelt zu nützlichen Tools für KI-getriebene Geschäftsmodelle, Risiken und Chancen von Deep Learning im Einsatz bei der Arbeit mit Menschen, den Nutzen von Künstlicher Intelligenz in radiologischer Diagnostik und Umstellung und Herausforderungen bei der Reform des Geschäftsmodells auf KI-gestützte Kommunikation mit Kunden.

Dabei gaben alle Referent:innen interessante Eindrücke ihrer KI-unterstützten Unternehmen und formten somit einen nahen Praxisbezug.

Wer mehr erfahren möchte, kann sich hier gerne die Aufzeichnung des Abends ansehen:

Wir bedanken uns noch einmal bei allen Referent:innen und freuen uns auch in Zukunft Spannendes aus der Welt der KI zu hören!

Unternehmens-Webseiten der Referent:innen:

Tobias Kehl https://hessian.ai/

Dr. Olena Linnyk https://www.milchundzucker.de/

Stefan Braunewell https://www.deepc.ai/

Daniel Herr https://federmeister.de/

Mehr zum Projekt KI für Startups:

https://www.tig-gmbh.de/projekte/ki-fuer-startups


Neuer Schwerpunkt – Künstliche Intelligenz

„Wenn Menschen Computerviren schaffen, wird irgendwann auch jemand Künstliche Intelligenz schaffen, die sich selbst vermehren kann.“ – Stephen Hawking

Seit Anfang des Jahres haben wir einen neuen zusätzlichen Schwerpunkt: Künstliche Intelligenz.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts „KI für Startups“ des Technologie- und Innovationszentrum Gießens haben wir uns gesellschaftlich wie technisch mit dem Thema auseinandergesetzt. Durch KI werden nicht nur Prozesse verändert, es erschließen sich auch zahlreiche neue Geschäftsfelder. Für uns ist KI das technische Thema unserer Zeit, da die Technologie mittlerweile überall Einzug hält. Ob im Smartphone, auf Webseiten, in unseren Geräten oder in Entscheidungsprozessen: KI ist überall.
Und wir selbst haben bei der Auseinandersetzung gemerkt, wie viel Missverständnisse rund um KI bestehen. Daher haben wir uns dazu entschlossen auch in unserem Projekt MAGIE – Makerspace Gießen das Trendthema näher zu behandeln.

Welche Prozesse durchläuft sie und wie genau entsteht ihre „Intelligenz“? Welche Arten von KI gibt es und wo kommt sie zum Einsatz? Neben unserem neuen Einführungsworkshop haben wir vor Ort im Makerspace noch mehr spannende Exponate in unserer Ausstellung, die noch tiefer in die Denkweise von KI eintauchen lassen. Unser Jetson Nano bietet zwei kleine Mini-Computer, auf denen viele Beispiele für Neuronale Netze ausprobiert werden können. Für kleinere KI-Projektideen stehen zwei leistungsstarke Computer mit KI-geeigneten Grafikkarten zu Verfügung.

Mehr zum Projekt gibt es auf der Webseite des TIG: https://www.tig-gmbh.de/projekte/ki-fuer-startups


Mithilfe von moderner Technologie über das Mögliche hinaus – Diskussionsabend Kunst in der digitalen Welt

„Jeder Morgen ist wie Weihnachten“, sagt Anton Wiehe mit leichter Euphorie in unserem Livestream am 17. Juni. Damit meint er keine herkömmliche Beschenkung, sondern die Arbeit seiner KI über Nacht, während sie Informationen zu neuen Werken erzeugt. „Es kommt immer etwas Neues aus der KI heraus, womit man nicht gerechnet hätte.“

Am 17. Juni fand im Makerspace Gießen per Livestream der Diskussionsabend zu Digitalisierung in der Kunst statt und brachte sehr unterschiedliche und interessante Referenten zusammen.
Bei einem lockeren Zusammensitzen diskutierten Thomas Vinson, Dozent am Fachbereich Architektur / Bauwesen an der THM, Andreas Walther, freischaffender Künstler, und Anton Wiehe, Mitgründer des KI-Startups AdaLab.ai, per Videokonferenz und auf dem Podium über den Wandel der Kunst durch moderne Technologien wie  3D-Druck oder auch Künstliche Intelligenz.

Sehr interessant in der Diskussion ist der künstlerische Weg von Walther und Vinson, welcher sich von relativ traditionellen Einflüssen zu digital-unterstützter Kunst wandelte. Gründe für beide waren unter anderem Effizienz, Neugier, Dynamik und die Eröffnung neuer Möglichkeiten durch Präzision und Handwerk, welche für menschliche Fähigkeiten nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind. „Es ist ein Medium, das eine Vervielfältigung ermöglicht.“, sagt Vinson mit einem leichten Grinsen im Gesicht während er von einem Projekt am Lasercutter erzählt. Er weiß, dass die Herstellung eines zweiten Kunstobjekts sicher möglich wäre, aber erfreut sich an dem Unikat, welches er mittels seiner Idee und der Präzision des Lasers erschaffen konnte. Plötzlich ist Vervielfältigung ein Leichtes, dennoch sehen beide Künstler die Kunst weit entfernt von der Produktion, da Kunst auch immer Auseinandersetzung, Ernsthaftigkeit und gesellschaftliche Relevanz bedeute.

Ebenso spannend ist der Beitrag von Anton Wiehe, welcher eine Künstliche  Intelligenz geschaffen hat, die Bilder kreiert. Durch eine simple Texteingabe, wie „Consciousness“, interpretiert das Programm diese und schafft aufgrund von maschinellem Lernen völlig einzigartige und nie da gewesene Bilder. Die Ergebnisse sehen häufig sehr abstrus und verspielt aus und doch passt die Interpretation der KI immer zum Text. Eine neue Art moderner Kunst entsteht, bei der der oder die Künstler:in nicht ganz leicht festzulegen ist. Wiehe sieht sich selbst bescheiden eher weniger als den Künstler der entstandenen Werke. Ihn interessiert mehr das Verstehen des Prozesses, den die KI bei der Erschaffung durchläuft.

Neben weiteren Themen, wie die Finanzierung als Künstler:in in der heutigen Zeit und die Ermöglichung der Umsetzung von Ideen durch Digitalisierung werden die drei Referenten auch gefragt, was sie sich für die Zukunft bezüglich des Themas wünschen: Vinson verdeutlicht, dass Digitalisierung dem traditionellen Kunstgedanken nicht alles nehmen könne. Kunst zu kreieren sei noch immer mit menschlichem Schaffen verbunden und tief in uns verankert. Menschen sollen ein wirkliches Erleben haben. Walther appelliert daran „Körper und Geist zusammenzuführen“ und Kunst wieder bewusster wahrzunehmen. Die Diskussion schließt Wiehe ab: Er sieht einen wichtigen Verbindungspunkt zwischen digitaler Kunst und der Existenz in der „realen“ Welt. So verdeutlicht er noch einmal die Möglichkeiten und die Vielfalt, die digitale Medien der Kunst und uns Menschen ermöglichen.
Es ergibt sich aus dem Abend, dass eine Kombination zwischen Tradition und Fortschritt in der Kunst womöglich ein Weg sein könnte, der sich für uns alle anzustreben lohnt.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den Podiumsgästen – reale und virtuelle – herzlich für ihre interessanten Einblicke bedanken! Auch dem Streaming-Team gebührt unser Dank!

Die Aufzeichnung des Abends:

Webseiten der Diskussionsteilnehmer:

Andreas Walther: https://andreaswalther.de/

Anton Wiehe: https://adalab.ai/

Thomas Vinson: https://www.thomas-vinson.com/

LinkedIn-Profile des Streaming-Teams:

Maurice Jelinski: https://www.linkedin.com/in/maurice-jelinski-6a889286/

Thomas Niederhaus: https://www.linkedin.com/in/thomas-niederhaus-791a79191/


Tutorial: Eine eigene Augemente Reality (AR) Web-Anwendung erstellen

So sieht das Ergebnis aus: Auf dem Smartphone sieht man einen 3-dimensionalen Körper über dem Marker schweben. Man kann sich frei um diesen Marker bewegen.

In unserem letzten Workshop zum Thema 3D-Scan kam die Frage auf, wie man die 3D-gescannten Inhalte denn einfach präsentieren kann. Wir haben hierbei gute Erfahrungen mit Marker-basierten Augmented Reality Anwendungen gemacht. Das klingt zum Glück viel komplizierter als es am Ende ist.

Worum geht es?

Probiert das ganze doch einfach kurz mit eurem Smartphone aus: Scannt diesen QR-Code und haltet die Kamera dann in der sich öffnenden Webseite einfach auf den QR-Code. Alternativ öffnet ihr auf dem Smartphone diese Adresse (https://makerspace-giessen.de/schwätzer.html) und haltet die Kamera dann auf diesen Code:

Voraussetzungen

  • ein eigener Webserver (ihr könnt zu Demo-Zwecken aber auch gerne unseren Server nutzen)
  • eine HTML-Datei
  • ein 3D-Objekt

Die Nutzungserfahrung

Diese Animation zeigt recht gut, was ihr erwarten könnt (in diesem Tutorial geht es um die Anwendung ganz links):

Quelle: AR.JS Dokumentation
  1. Die Nutzer:innen scannen einen QR-Code und werden auf eine Webseite geleitet.
  2. Diese Webseite greift auf die Smartphone-Kamera zu. Die Nutzer:innen halten ihre Kamera wieder auf den QR-Code und schon erscheint das hinterlegte 3D-Objekt.

Im Hintergrund

Die Abläufe im Hintergrund sind nicht viel komplexer als die Nutzung selbst: Die Webseite ist eine einfache HTML-Datei. Das 3D-Objekt wird einfach auf den Webserver geladen. Die Nutzer:innen müssen keine App installieren und die Technologie funktioniert mit grundlegendsten Web-Technologien auf allen gängigen Webbrowsern. Das macht diese Art von Augmented Reality (AR) aus unserer Sicht auch so attraktiv, da die Hürden sehr gering sind. Technisch gesehen wird AR.JS genutzt. In der sehr guten Dokumentation findet man dutzende Beispiele und weitere Einsatzmöglichkeiten.

Das 3D-Objekt

Das Objekt muss im Format .glb vorliegen. Das tut es leider meistens nicht. Aber es gibt einfache Online-Konvertierer, die hier die Arbeit für euch übernehmen. Je nachdem welches Dateiformat ihr vorliegen habt, wählt ihr den passenden Konverter für euch aus:

.stl zu .glb

Andere Formate:

Nutzt hierfür einfach die kostenlose Software Blender.

  1. Import -> das 3D-Objekt importieren
  2. Export -> das 3D-Objekt als .glb-Datei exportieren.

Tipp: Sollte das Objekt zu viel Speicherplatz brauchen (für eine Webseite sollten die Dateien nicht größer als 10 MB sein), einfach nach dieser Anleitung die Dateigröße verringern: https://www.youtube.com/watch?v=N4QY-1Vf6LM

Die HTML-Datei

<!doctype HTML>
<html>
<script src="https://makerspace-giessen.de/objects/aframe-v1.0.4.min.js"></script>
<script src="https://makerspace-giessen.de/objects/aframe-ar.min.js"></script>
  <body style='margin : 0px; overflow: hidden;'>
    <a-scene embedded arjs="trackingMethod: best; debugUIEnabled: false; detectionMode: mono_and_matrix; matrixCodeType: 3x3; maxDetectionRate: 10; sourceWidth:1280; sourceHeight:960; displayWidth: 1280; displayHeight: 960;">
         
   
      <a-entity light="type: ambient; color: #fff; intensity: 0.8"></a-entity> 
      <a-entity light="type: directional; color: #FFF; intensity: 0.6" position="-1 1 1"></a-entity>
      <a-entity light="type: directional; color: #FFF; intensity: 0.6" position="1 1 1"></a-entity>  
      <a-entity light="type: directional; color: #FFF; intensity: 0.6" position="1 -1 1"></a-entity> 
      <a-entity light="type: directional; color: #FFF; intensity: 0.6" position="-1 -1 1"></a-entity>    
             
               
      <a-marker type="barcode" value="0">
       <a-entity gltf-model="url(/objects/schwaetzer.glb)" scale="0.1 0.1 0.1"></a-entity>
      </a-marker>  
      <a-entity camera></a-entity>
    </a-scene>
  </body>
</html>

Erläuterungen:

Am Anfang werden zwei Scripte eingebunden. Diese werden von unserem Server geladen und sind vermutlich schon veraltet, aber so kann man kontrollieren, dass alles zumindest gemeinsam funktioniert und nicht eine neue Version Funktionen kaputt macht. Vorsicht, das ist kein guter Stil, für produktive Anwendungen sollte man dies sicher anders machen – für unsere Demo ist es okay.

Dann werden einige Dinge eingestellt, wie z.B. die Detektionsrate für die Marker und die Bildschirmgröße.

Die ersten 5 <a-entity>-Elemente sind nur Lichter, die wir uns für das Modell der Schwätzer zurechtgefrickelt haben.

Erst jetzt kommt der eigentlich spannende Teil: Das 3D-Objekt und der Marker:

<a-marker type=“barcode“ value=“0″> —- Mit diesem Teil wird der entsprechende Marker gesetzt. Hier gibt es vorgefertigte Marker. Wir haben gute Erfahrungen mit folgendem Set gemacht: 4x4_BCH_13_9_3

Hinweis: Wenn ihr andere Marker nutzt als die 3×3, müsst ihr z.B. im Code oben folgendes schreiben:

matrixCodeType: 4x4_BCH_13_9_3;

Das 3D-Objekt ist dann einfach nur noch ein Link zu einer Datei auf eurem Server. In diesem Fall liegt die schwätzer.html-Datei im Hauptverzeichnis und die 3D-Datei liegt in einem Unterordner „objects“. Der Parameter „scale“ passt nur noch die Größe an, damit das Objekt schön passend auf euren Handybildschirmen ankommt.

Das wars auch schon. Ihr seht: Man muss genau zwei Dinge ändern: Den Marker und die 3D-Datei. Dann noch die beiden Dateien mit einem FTP-Programm wie z.B. FileZilla auf euren Webserver laden.

Der Marker & QR-Code

Den QR-Code inklusive eingebettetem Bild könnt ihr hier erstellen. Dort einfach die Webadresse eurer html-Datei eingeben und den Marker als Logo nutzen. Den Marker aus dem Beispiel könnt ihr durch Rechtsklick auf das Bild speichern:

Fertig.

Kein eigener Webserver? Kein Problem!

Du hast keinen eigenen Server und möchtest trotzdem eine AR-Anwendung ausprobieren? Kein Problem: Wir können dir eine Demo auf unseren Server laden. Wichtig sind folgende Punkte:

  • Nur Demos! Keine Dinge, die du später längerfristig verwenden willst.
  • Keine rechtlich geschützten 3D-Objekte – es müssen deine 3D-Objekte sein, sonst bekommen wir Probleme.

Schick uns einfach eine Mail mit dem 3D-Objekt (max. 10 MB; im .glb-Format). Wir legen dieses dann auf den gleichen Marker, den auch die Schwätzer oben nutzen (leider sind keine Individualisierungen für die Demo möglich) und teilen dir die Webadresse mit.


3D-Druck als ermächtigende Technologie für die Gesellschaft

Ein Teddy mit von uns 3D-gedruckten Organen für die Teddyklinik Gießen

3D-Drucker, gerade die Desktopgeräte, haben durch die günstigen Preise und das Überangebot an Modellen bereits in großen Teilen der Bevölkerung Bekanntheit erlangt. Wir beobachten jedoch immer wieder, dass hier sehr unterschiedliche und teils auch veraltete Vorstellung vorhanden sind.

Im einen Extrem herrscht die Meinung vor, es handle sich bei 3D-Druck um eine Hochtechnologie, im anderen Extrem um ein zeitintensives Nerd-Hobby, bei dem Berge an Plastikschnur zu massenweise buntem Kunststoffschrott zusammengeschmolzen werden. Doch auch wenn es günstige Geräte sind und lediglich Kunststoff verarbeitet werden kann, birgt die additive Heimfertigung große Potentiale, das Leben maßgeblich zu verbessern. Es entstehen plötzlich Möglichkeiten für die breite Masse, die zuvor nur der Industrie und Experten vorbehalten waren und ermächtigen somit die Gesellschaft dazu, sich selbst zu helfen. Der Kosmos der DIY und Open Source Community, in welcher sich der 3D-Druck besonders früh und schnell verbreitet hat, ist von einer Kultur geprägt, sich gegenseitig zu unterstützen, bereitwillig Wissen zu teilen, gemeinsam Probleme zu lösen und sich gegenseitig zu ermutigen. So ist es kein Wunder, dass die Kombination einer mächtigen kleinen Schreibtischfabrik gepaart mit einem kooperativen Machergeist unzählige Projekte hervorgebracht hat, um Menschen in Notlagen zu unterstützen. Falls du dich noch nicht eingehend mit der 3D-Druck Thematik auseinandergesetzt haben solltest, kannst du dir einen kurzen Überblick über das Prinzip des 3D-Drucks und dessen Stärken im Kasten unten verschaffen. Wenn du bereits Bescheid weißt, überspringe einfach den folgenden Abschnitt und lese direkt bei der Vorstellung der Projekte weiter.

Der 3D-Druck bzw. die Additive Fertigung | Eine Übersicht für Eilige

Beim 3D-Druck handelt es sich um eine sogenannte additive Fertigung. Das heißt ein Objekt wird produziert, indem es Schicht für Schicht aus Kunststoff, Metall, Keramik oder anderen Materialien aufgebaut wird. Im Gegensatz dazu steht die subtraktive Fertigung wie z.B. das Fräsen, bei dem ein Objekt durch das schichtweise Abtragen von Material von einem Körper produziert wird. Der schichtweise Aufbau beim 3D-Druck ermöglicht es nahezu unendlich komplexe Strukturen zu produzieren und das mit einem immer gleichbleibenden Werkzeug. 3D-Druck ist jedoch verhältnismäßig langsam und es gibt keine Skaleneffekte bei der Massenproduktion eines Produktes, da z.B. keine Gussform über die Produktion abbezahlt werden muss. Die Materialbandbreite beim 3D-Druck ist sehr groß. Je nach Material kommt ein anderes Druckverfahren zum Einsatz, gleich bleibt nur der schichtweise Aufbau. So lassen sich viele Metalle, Kunststoffe bis hin zu Keramik verarbeiten. Zusammengefasst: 3D-Druck ist kaum in seiner Formgebung eingeschränkt. Dafür ist er relativ langsam und die Produktionskosten bleiben immer gleich. Daher wird die Technologie vor allem für Einzelanfertigungen und Kleinserien genutzt, bei denen hohe Komplexitätsgrade vorliegen oder individuelle Anpassungen pro Objekt notwendig sind.

3D-Druck Hilfsprojekte

Nachfolgend stellen wir dir ein paar beispielhafte Projekte vor, bei denen 3D-Druck zur Verbesserung der Lebensqualität körperlich eingeschränkter Menschen positiv eingesetzt wird. Alle beschriebenen Projekte sind offen für Hilfsanfragen oder das Einbringen deines Engagements.

Enable the future | 3D-gedrukte Prothesen

Quelle: enable the future

Enable the future ist ein Zusammenschluss digitaler Humanisten, wie sie sich selbst nennen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mithilfe ihrer 3D-Drucker kostengünstige Prothesen für die oberen Extremitäten für Kinder und Erwachsene zu produzieren. Alle Entwicklungen werden frei als Open Source mit Bauanleitung und 3D-Dateien für alle zugänglich auf einer Website hinterlegt. Die Community umfasst laut Website bis zu 10.000 Freiwillige und mehr, welche sich, über die ganze Welt verteilt, dazu bereit erklärt haben, bewegliche Prothesen für Menschen in Not zu produzieren und weiterzuentwickeln. Der Download-Katalog umfasst mittlerweile unzählige bewegliche Arm, Finger und Handprothesen, welche ständig weiterentwickelt werden. Was eine solche 3D-gedruckte Prothese ermöglicht, kann man hier beispielhaft im Video sehen.

Webseite: https://enablingthefuture.org/

Thisables | Bedienungsmodifiaktionen für Ikea-Möbel

Quelle: thisables

Thisables ist eine Kooperation zwischen der israelischen Ikea Milbat NGO und Access Israel über 3D-gedruckte Modifikationen für Ikea-Produkte, mit denen sich die Handhabung für körperlich behinderte Menschen verbessern lässt. Auf der Website findet sich z.B. eine Knopfvergrößerung für einen Lampenschalter, welcher es Menschen mit Störungen der Feinmotorik ermöglicht das Licht selbstständig zu bedienen oder ein Türgriff für den Unteram der sich nachträglich an einen Kleiderschrank anbringen lässt. Alle 3D-Dateien stehen offen zum Download zur verfügung und lassen sich mit handelsüblichen 3D-Druckern ausdrucken.

Website: https://thisables.com/en/

Touch Mapper | Ertastbare Karten für Sehbehinderte

Quelle: Touch Mapper

Touch Mapper ist eine browserbasierte Open-Source-Software, mit der man über eine einfache Eingabemaske Reliefkarten auf Basis von OpenStreetMap-Daten erzeugen kann. Das für Sehbehinderte optimierte tastbare Relief lässt sich kostenlos als fertige STL-Datei für den 3D-Druck herunterladen. So eine ausgedruckte Karte kann beispielsweise für Sehbehinderte Menschen zur Planung von Strecken oder zur Orientierung in öffentlichen Parks verwendet werden.

Website: https://touch-mapper.org/de/

Der Makerspace als Teil der Making-Community

Der 3D-Druck ermächtigt viele Menschen, sich selbst zu helfen. Der Einstieg ins Drucken ist schnell gelernt und bereits mit günstigen Druckern ab 200€ lassen sich alle oben gezeigten Projekte umsetzen. Einen Einführungskurs zum 3D-Drucken findet ihr immer wieder in unserem Programm und einen Leitfaden für den Druckerkauf haben wir auch bei uns auf der Seite [Link]. Wenn man sich selbst keinen Drucker kaufen kann oder möchte, kann man auf das wachsende Angebot von Makerspaces und Hackspaces zurückgreifen, die Drucker für eine kleine Gebühr oder für Vereinsmitglieder zur Verfügung stellen [zur Karte der Makerspaces]. Unser Makerspace ist hier besonders: Bei uns ist weder eine Mitgliedschaft oder Gebühr notwendig (zumindest für die ersten Projekte). Egal ob man erst Anfänger ist und von anderen entwickelte Hilfsmittel nutzt oder selbst kreativ wird und z.B. individuell angepasste Prothesen designet, jeder kann einfach jetzt anfangen. Die Anwendungsfelder und der Bedarf sind unendlich groß. Ein paar weitere Beispiele:

  • Greifhilfen für Menschen mit Arthrose oder Bewegungseinschränkungen durch Spastiken.
  • Individuell angepasste Bedienelemente wie Joysticks oder Knöpfe für Menschen mit Einschränkungen der Motorik wie Parkinson oder Lähmungen der Muskulatur.
  • Hebel und Griffe für ältere Menschen deren Kraft oder Mobilität eingeschränkt ist.
  • Taktile Karten und Lerngegenstände für Sehbehinderte Menschen.

Diese Beispiele sind nur ein kleiner Ausschnitt. Für uns zeigt sich in diesen jedoch die Möglichkeit des 3D-Drucks, Menschen durch 3D-gedruckte Hilfsmittel ein Stück Freiheit zurückgeben zu können.

Insgesamt legen wir im Makerspace Gießen großen Wert auf die gesellschaftliche Relavanz der von uns aufgenommenen Technologien. Diese sind aus unserer Sicht großartige Tools für eine lebenswerte Zukunft, wenn sie richtig eingesetzt werden.

Du willst helfen?

Du hast jetzt richtig Lust selbst aktiv zu werden, weißt aber nicht wie. Eine große Plattform die Hilfsbedürftige mit Hilfsbereiten vernetzt ist Makers making Change. Hier findest du auch eine Menge Ressourcen und Inspirationen.

Website: https://www.makersmakingchange.com/

Zudem kannst du dich bei allen oben genannten Websiten als Unterstützer registrieren lassen und wirst dann kontaktiert, wenn jemand deine Hilfe benötigt.

Du brauchst Hilfe?

Bei allen Angeboten, bei denen du deine Hilfe anbieten kannst, kannst du auch nach Hilfe fragen. Sei es bei makers making change oder bei enabeling the future .Wenn du aus Giessen oder der Umgebung kommen solltest, kannst du dich auch gerne direkt per Mail an uns wenden.


Rückblick: Neue Technologien in der Medizin

Wir hatten ein wunderbares Online-Event mit tollen Vorträgen aus Marburg, Darmstadt und natürlich aus Gießen. Wir konnten erfahren, an welchen Stellen Künstliche Intelligenz heute schon in der Medizin eingesetzt wird und wie die Mensch-KI-Interaktion in der Zukunft in diesem Bereich aussehen könnte. Außerdem zeigten Forschende uns wie 3D-Druck in Zukunft auch unsere Gesundheit verbessern und wiederherstellen könnte.

Prof. Martin Hirsch von der Uni Marburg zeigte seine KI-Medizin-App Ada, welche als Medizinprodukt zertifiziert einfach von jedem aus den App Stores heruntergeladen werden kann und gab uns einen Einblick in die Forschung rund um KI in der Medizin. Oliver Kindl von der JLU ergänzte diesen Vortrag um praktische Anwendungen der KI in der Radiologie und um Ansätze für Maker/innen: So kann man bspw. einfach auf kaggle.com medizinische offen Datensätze herunterladen, um mit einem eigenen KI-Projekt zu beginnen.

Dem Thema 3D-Druck in der Medizin widmeten sich David Hartzke von der THM und Paul Schückler von der TU Darmstadt. An der THM wird 3D-Druck in der Medizin erforscht und in die Breite getragen. David Hartzke gab uns einen Einblick in die Forschung zu seiner Forschung an 3D-gedruckten Medikamenten: Diese haben in vielerlei Hinsicht interessante Eigenschaften. So würde es z.B. reichen nur eine einzige Pille zu nehmen und die Geschwindigkeit der Wirkstoffabgabe könnte im Design der Tablette angelegt sein. Bald gibt es hierzu eine Publikation und wir werden versuchen Informationen dazu nachzureichen. Wer sich über das THM-Forschungsprojekt zu 3D-Druck in der Medizin informieren möchte, das kürzlich verlängert wurde, findet hier alle Infos: WTT 3Dim

Paul Schückler forscht an bioresorbierbaren 3D-gedruckten Implantaten, die sich nach einiger Zeit im Körper auflösen. Das Interessante ist, dass dieses Verfahren eine zweite Operation unnötig machen könnte, um Implantate später wieder zu entfernen. Die 3D-gedruckten Gerüststrukturen werden mit der Zeit von richtigem Knochen durchwachsen und bilden so eine Art „Besiedelungsstruktur“, die später vollkommen aufgelöst wird. Der so entstandene Knochen ist für den Körper besser als ein starres Metall-Implantat.

Für alle, die jetzt direkt von den Technologien profitieren möchten: Ihr müsst euch leider noch ein wenig gedulden. Beide Forschungsthemen sind im Grundlagenbereich angesiedelt und es wird noch einige Zeit dauern, bis die Anwendungen in die Praxis übergehen. Aber genau diese Forschung wollten wir mit unserer Reihe „Neue Technologien in…“ greifbar machen. Wir wollen einen Transfer zwischen Forschung und Gesellschaft herstellen, damit die spannenden Ergebnisse aus der Region auch schon vor Markteinführungen wahrgenommen werden können. Die hohe Nachfrage von über 100 Teilnehmenden hat uns darin bestätigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. An dieser Stelle noch einmal Danke an alle Vortragenden und alle Teilnehmer/-innen.


Unsere erste Live-Vorlesung

Ende 2020 durften wir an etwas für uns ganz besonderem teilnehmen: Einer Ringvorlesung der THM unter dem Motto „Verantwortung Zukunft“. Das Motto Verantwortung Zukunft ist für uns aus mehreren Blickwinkeln sehr zutreffend: Seit dem Beginn von flux setzen wir uns dafür ein, Nachhaltigkeit erlebbar zu machen. Sei es mit unserem Stadtgarten auf der Samen-Hahn-Fläche oder der KANTINE also großangelegtes Visionsprojekt in Gießen. Aber auch im Makerspace setzen wir unsere Verantwortung für die Zukunft um, indem wir allen Menschen einen freien Zugang zu Bildung rund um neue Technologien ermöglichen. Unter diesem Gesichtspunkt waren wir zur Ringvorlesung mit dem Titel „Makerspaces – Raum für neue Ideen“ eingeladen. Gemeinsam mit den Kollegen des Makerspace Friedberg konnten wir einen wunderbaren Abend verbringen, auch wenn die Filmcrew und das professionelle Lichtsetup für uns noch ungewohnt waren. Die professionelle Planung und der gut strukturierte Ablauf unter Corona-Bedingungen war jedoch perfekt gelöst und es hat uns wie immer große Freude gemacht, Profis beim Werk zuzusehen.

In unserem Vortrag gehen wir auf die Konzeption unseres Makerspaces ein, warum wir uns für bestimmte Elemente entschieden haben und wieso dies gesellschaftlich relevant ist und für uns zu einem guten Leben absolut dazugehört.

Dieser Artikel ist zuerst auf flux-impulse.de erschienen.


„Welchen 3D-Drucker soll ich mir anschaffen?“

Eine Frage, die wir immer wieder hören, ist die nach dem richtigen 3D-Drucker. Hier beziehen wir uns nur auf die einfachste Form von 3D-Drucker, die ihr aus unseren Einführungsworkshops kennt, den sogenannten FDM-Drucker. Dabei gilt es einiges zu beachten und einige Aspekte wollen wir euch heute hier zeigen:

Welche Materialien sollen verdruckt werden?

Normalerweise reicht der Standard-Kunststoff aus. Das ist PLA. Er ist ungiftig und kann daher auch in geschlossenen Räumen verdruckt werden. Er hält dafür Hitze nur bis 60 Grad stand und wird dann weich.

Wie groß sollen die zu druckenden Objekte werden?

Viele 3D-Drucker haben einen Bauraum von 10x10x10 oder 20x20x20 cm. Das reicht auch fast immer aus, da mit dem Volumen eines Bauteils auch die Druckzeit enorm steigt. So lassen sich Drucke über Faustgröße selten in unter 4 Stunden realisieren. Generell spielt die Druckzeit eine entscheidende Rolle und ist oft der limitierende Faktor.

Kosten für den Drucker

Ein günstiger 3D-Drucker kostet um die 200€. Nach oben sind wie immer keine Grenzen gesetzt. Wir empfehlen für den Heimgebrauch und einen ersten Start oft die Modelle der Serie „i3“ von Anycubic. Diese sind günstig und haben uns bisher nicht enttäuscht. Die Druckqualität ist in Ordnung und der Aufbau sehr einfach. Bezug ist über Amazon oder den Hersteller direkt möglich. Mit beidem haben wir gute Erfahrungen gemacht.

Soll es etwas bessere Qualität sein, empfehlen wir mittlerweile den Prusa Mini für ca. 400 €. Aktuelle Preise und Links zu den Modellen findet man über die Webseite von Prusa. Dort findet man auch den sehr guten Prusa i3, welchen wir uneingeschränkt empfehlen können. Dieser liegt jedoch mit knapp 800-1000€ je nach Variante im oberen Preissegment. Soll der Drucker aber sehr oft und verlässlich mit hoher Qualität und verträglicher Lautstärke genutzt werden, ist der Prusa i3 unsere erste Wahl.

Man muss hierzu sagen: Wir testen keine 3D-Drucker, die Empfehlungen basieren nur auf unseren Erfahrungen und sollen allen dienen, die uns kennen und eine vertrauenswürdige Empfehlung suchen. Und wir sind auch nicht von den Herstellern gesponsort.

Kosten für das Material

Eine weitere Frage wird oft zu den Kosten für den Kunststoff gestellt. Das Material spielt aber tatsächlich nicht so eine große Rolle, da 1 kg meist für 15-20 € zu haben ist. Wir kaufen bei DASFILAMENT, einem deutschen Hersteller, und sind bisher sehr zufrieden. Bis man 1 kg Filament mit einem Drucker verdruckt hat vergeht auch einige Zeit.

Brandschutz

Die 3D-Drucker sollten nicht unbeaufsichtigt laufen, wenn es keine automatische Brandmeldeanlage oder Löschautomatik gibt. Das begrenzt die Druckzeiten meist auch noch.

So das war schon unser kurzer Überblick zur Auswahl von 3D-Drucker. Wenn ihr jetzt noch Fragen habt, kommt einfach zu den offenen Werkstattzeiten vorbei und sprecht uns an.


Start des Makerspace Blogs

Hier wollen wir in Zukunft auf lockere und nicht allzu komplizierte Art Neuigkeiten mit euch teilen. Updates zu neuen Artikeln kommen dann auch unregelmäßig in den Newsletter und die sozialen Medien.

Der Blog wird für uns die zentrale Stelle für alle Inhalte, die etwas mehr Platz brauchen wie z.B. Erklärungen, Veränderungen oder auch Rückblicke.

Wir freuen uns, wenn ihr uns per Mail Feedback schickt. Kommentare lassen wir nicht zu, weil die leider immer mit Spambots geflutet werden und wir es nicht schaffen, alle Einträge zu sichten.