Einen Makerspace an einer Schule oder Bibliothek einrichten. Wo fangen wir da an?

Solche Schlagzeilen liest man inzwischen ständig. „Stadtbibliothek eröffnet eigenen Makerspace.“ Oder: „Grundschule zeigt den Unterricht von morgen, Kinder bauen ihre eigenen Umweltsensoren.“ Man liest das, freut sich kurz für die anderen, und im nächsten Moment denkt man, warum eigentlich nicht bei uns?

Ein eigener Makerspace. Ein Raum, in dem ausprobiert, gebaut und auch mal was kaputtgemacht wird. Und dafür gibt es inzwischen sogar Fördergeld.

Doch irgendwann zwischen Bewilligung und Aufbau, wenn die erste Euphorie sich legt, kommen die Zweifel. Wie genau machen wir das jetzt eigentlich?

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du in guter Gesellschaft. Wir sehen dieselben Fragen seit sieben Jahren, an Schulen wie in Bibliotheken, und fast immer tauchen sie in derselben Reihenfolge auf. Vielleicht findest du dich hier wieder.

In der Schule

Die Zusage ist da. 20.000 Euro. Großartig. Nur muss das Geld jetzt auch sinnvoll weg, und zwar schnell, die Frist läuft in drei Wochen ab. Also, ein Raum muss her, Geräte müssen rein. Ein 3D-Drucker, klar. Aber VR-Brillen, ist das sinnvoll? Drohnen sieht man gerade überall, nur wie bekommt man eine Drohne sinnvoll in den Unterricht? Man liest sich durch Foren, studiert Rezensionen, der Warenkorb füllt sich. Und eine Frage bleibt die ganze Zeit unbeantwortet. Zehn neue, ganz unterschiedliche Geräte sind bestellt, aber wer hat eigentlich die Zeit und das Können, sich in ihre Bedienung einzuarbeiten? Und, schlimmer noch, wer entwirft die Konzepte, mit denen man sie im Unterricht überhaupt einsetzt?

Denn das Geld ist da, ein ungenutzter Mehrzweckraum meist auch. Was fehlt, sind die Stundenanteile, damit sich überhaupt jemand ernsthaft damit auseinandersetzen kann.

Ein paar Wochen später steht der 3D-Drucker aufgebaut im Raum. Nur haften die Drucke nicht auf dem Druckbett, sie lösen sich als traurige Klumpen ab. Daneben stapeln sich zehn Kartons, Plotter, VR-Brille, Stickmaschine, ungeöffnet, mit einer ersten dünnen Staubschicht obendrauf. Und über allem hängt derselbe Gedanke. Wie um alles in der Welt sollen wir das schaffen?

Je länger die Geräte dastehen, desto mehr Fragen tauchen auf. Wer kümmert sich, wenn der Drucker mitten im Halbjahr streikt? Was wird aus dem Projekt, wenn die engagierte Kollegin, die alles angeschoben hat, im nächsten Jahr die Schule wechselt? Und dürfen die Schüler eigentlich allein an die teuren Maschinen, oder muss für immer eine Aufsichtsperson daneben stehen?

In der Bibliothek

Auch immer mehr Bibliotheken richten sich einen Makerspace ein. Sie werden zu Bildungszentren, zu Orten, an denen Gemeinschaft entsteht. Die anderen machen es vor, große Häuser mit eigenem Makerspace, und man denkt sich, schön für die. Wir sind zu klein, zu wenig Personal, mit dem Tagesgeschäft ohnehin ausgelastet. Keiner bei uns hat technische Vorkenntnisse. Und dann die Frage, die eigentlich alles entscheidet, wer soll das bei uns überhaupt nutzen?

Wo fängt man an? Vielleicht mit einem 3D-Drucker. Aber wofür eigentlich, außer für buntes Plastikspielzeug? Ist das Ding nicht viel zu laut? Muss man wegen Brandschutz die ganze Zeit daneben stehen? Und wenn wir das anschaffen und dann kommt niemand, war am Ende alles umsonst?

Vielleicht gibt es sogar schon Interessierte, vielleicht ist Geld da. Dann werden die Fragen konkreter. Wir hängen am städtischen IT-Netz, wie installieren wir da überhaupt eigene Programme? Was ist, wenn jemand mit einem fremden USB-Stick ankommt und ihn einstecken will, die IT hat das ausdrücklich untersagt? Dürfen wir mit einem einzelnen Drucker schon Workshops geben, oder lohnt sich das erst ab drei Geräten? Ich hab online dieses bunte gedruckte Spielzeug gesehen, aber was macht man damit eigentlich Sinnvolles, das über Deko hinausgeht?

Unterschiedliche Orte, dieselben Fragen

Egal ob Klassenzimmer oder Lesesaal, im Kern ist es immer dieselbe Sache. Ein Makerspace wird behandelt wie ein Gerät, das man kauft, hinstellt, und das war’s dann. Dabei ist ein Makerspace viel eher eine Einstellung, ein Konzept, das sich in einem Raum ausdrückt. Es geht um den Gedanken dahinter und um die Community, die daraus wächst. Und damit man sich darum überhaupt kümmern kann, müssen erst die formellen Hürden und Bedenken aus dem Weg. Damit man anfangen kann.

Sieben Jahre Praxis, und wir lernen jeden Tag dazu

Wir betreiben unseren Makerspace seit über sieben Jahren, als kostenfreies Angebot für die breite Bevölkerung. Allein im letzten Quartal hatten wir 2.000 Besuche. Und jedes Jahr kommen Schulen und Bibliotheken zu uns, um sich beraten zu lassen, längst nicht mehr nur aus der Nachbarschaft, sondern quer durch die Republik. Aus diesen Besuchen ist ein Netzwerk gewachsen, in dem wir unsere Praxiserfahrung sammeln, weiterentwickeln und weitergeben.

In diesem Netzwerk reden wir über Geräte und Nutzung, über Sicherheit, Finanzierung und all die formellen Hürden. Vor allem aber über die Inhalte und über diese Makerspace-Einstellung. Wie bespielt man so einen Raum, damit die Geräte gar nicht erst verstauben? Wie baut man ihn so in den Lehrplan ein, dass zeitgemäßer Unterricht möglich wird? Wie erschließt eine Bibliothek damit Zielgruppen, die sonst nie hereinkämen? Und wie nutzt man das eigene Projekt nebenbei als Aushängeschild, das Aufmerksamkeit und Unterstützung anzieht?

Rund um jeden guten Makerspace wächst mit der Zeit eine Community, und genau die wollen wir vernetzen. Ein Makerspace ist außerdem ein mächtiges Instrument, eine Plattform, um mit Firmen aus der Region, mit Stadt und Kommune und mit anderen Akteuren ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Projekte umzusetzen.

Das ist Wissen aus sieben Jahren Praxis. Wissen, das so in keinem Buch steht, weil es nur durchs Ausprobieren und durch lange Reflexion entstanden ist. Fehler inklusive.

Am wichtigsten ist der Austausch. Dann merkst du, dass du nicht allein bist.

Einmal im Jahr holen wir das ganze Netzwerk für einen Tag zu uns in den Makerspace. Die nächste Netzwerk-Tagung ist am 29. September 2026 bei uns in Gießen, kostenfrei und bewusst niederschwellig, für Schulen, Bibliotheken und alle, die noch mit dem Gedanken spielen. Einrichtungen aus dem Netzwerk zeigen, wie sie es gemacht haben, und bei der Führung kannst du uns zu Geräten, Versicherung und Betrieb löchern.

Und keine Sorge, du musst nicht Teil des Netzwerks sein, um dabei zu sein. Die Tagung ist genau der Ort, um es kennenzulernen.

Sichere dir eines der begrenzten Tickets, lern unseren Makerspace kennen und tausch dich mit Gleichgesinnten aus. Denn gemeinsam lernt es sich am besten. Durchs Machen.

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