Was ein 3D-gescannter Butterstreuselkuchen mit Achtsamkeit zu tun hat | Monatsrückblick März 2026

Ach krass, schon wieder April.

Die Zeit rennt auch immer schneller. Ja, auch uns rutschen diese Sätze raus. Besonders wenn der Makerspace-Betrieb im Frühjahr so richtig Fahrt aufnimmt, rast alles nur so vorbei. Der Terminkalender ist zum Bersten voll, wir quetschen immer noch etwas rein und sind ständig von dem Gefühl geplagt, keine Zeit zu haben.

Genau in diesen Momenten ist es aber wichtig, kurz innezuhalten. Nicht weitermachen, sondern hinschauen. Sich bewusst machen, was gerade eigentlich alles passiert.

Wir dokumentieren unsere Arbeit. Von harten Zahlen wie Workshopstatistiken über einzelne Geschichten bis hin zu unseren Gefühlen. Getriebenheit: Wie sollen wir das alles schaffen? Verzweiflung: Uns fehlt so viel Geld für nächstes Jahr. Und dann, mitten in allem, tiefe Zufriedenheit, weil wir sehen, dass unsere Arbeit wichtig ist und zählt.

Man könnte das gute Managementpraxis nennen. Wir dokumentieren und evaluieren unsere Prozesse, und das stimmt. Aber es ist auch eine Achtsamkeitsübung. Wir nehmen uns ein paar Minuten zurück aus dem Strom der Ereignisse und beobachten. In dem Moment löst sich das Gefühl, das Rad der Zeit dreht sich immer schneller, auf. Eine warme Ruhe stellt sich ein. Wir haben wieder viel geschafft. Unsere Arbeit ist sinnvoll. Und wir wissen genau, warum wir das so machen, wie wir es machen.

Manchmal sieht diese Dokumentation sehr seriös aus. Und manchmal sieht sie aus wie ein Stück Kuchen auf einem 3D-Scanner.

Mittwoch ist Kuchentag

Wir holen den Kuchen jeden Mittwoch vom Wochenmarkt für die offene Werkstattzeit. Butterstreusel, Pflaume, was der Stand hergibt. Aber wir haben ein Problem. Nach ausgiebigen Qualitätsproben vom ganzen Team schrumpft die beeindruckende Kuchenplatte auf eine überschaubare Anzahl an Köstlichkeiten herunter. Für die Besucher:innen bleibt dann nicht mehr viel.

Johannes war an einem besagten Mittwoch gerade dabei, einen 3D-Scan-Workshop vorzubereiten. Der Scanner stand also sowieso auf dem Tisch. Und daneben: das letzte Stück Butterstreuselkuchen.

Fünf Minuten später existiert es als digitales 3D-Modell. Für immer. Damit wir nicht vergessen, dass Mittwoch Kuchentag ist. Vielleicht können wir uns dann auch besser daran erinnern, wie er schmeckt. Müssen den Kuchen nicht jedes Mal aufs Neue testen und für die Besucher:innen bleibt mehr übrig.

Was auf dem Kalender stand

Der März war ein klassischer „Menschenskinder, wie die Zeit vergeht“-Monat. Randvoller Kalender, so viele Erlebnisse, dass wir die Hälfte vergessen, wenn wir sie nicht festhalten.

Zwei 3D-Druck-Workshops mit Schulklassen. Zwei Arduino-Workshops mit Schulklassen, darunter einer mit einer Förderklasse. Ein neuer Vektorzeichen-Workshop mit Inkscape, den wir gleich als Video aufgezeichnet haben. Ein Laser-Einführungsworkshop. Ein Arduino-Bewässerungsworkshop, bei dem am Ende tatsächlich etwas gegossen wurde. Ein KI-Workshop über lokale Modelle. Die HackyHour zum Thema Nextcloud.

Aber das war noch nicht alles: Ein KickOff-Workshop mit 35 Lehrkräften der Ricarda-Huch-Schule, die jetzt neu in unserem Makerspace-Netzwerk sind. Die Vorstellung unserer MINT-Schulangebote beim Vernetzungstreffen in Wetzlar. Der Fachbeirat mit unseren Kooperationspartner:innen. Der Austausch mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft aus Frankfurt. Die Vernetzung mit der Stadt über Umweltsensoren. Der Besuch der Wirtschaftsjunioren. Die Sparkasse vor Ort mit einem Transformationsworkshop.

Und schließlich der KickOff unserer neuen Future Skills Academy.

Was zwischen den Terminen passiert ist

Die Future Skills Academy stand auf dem Kalender. Der KickOff war geplant, die Kids waren angemeldet, alles vorbereitet. Wir sind zwar von unseren Angeboten überzeugt, dennoch gibt es immer auch diesen Moment der Unsicherheit, des Zweifelns. Wird es alles so klappen, wie wir es uns ausgemalt haben? Es hat geklappt, und das besser als gedacht. Nach dem KickOff kamen die Kinder sofort in die offene Werkstattzeit und fingen an, eigenständig ihre Projekte umzusetzen. Einfach so. Wir haben es geplant, aber manchmal überrascht es auch, wenn ein Plan aufgeht.

Das kann man nicht in einen Förderantrag schreiben. Aber es ist wahrscheinlich das Beste, was im März passiert ist.

Oder die Geschichte mit dem Energiekurs. Jemand kam zum Laser-Einführungsworkshop. Normaler Dienstagabend. Hat seine Sachen gelasert, war zufrieden. Und dann, beim Aufräumen, sagte er beiläufig: „Ich kenne mich mit energetischer Haussanierung aus. Wärmepumpe, Solar, Dämmung. Was wirklich funktioniert, ohne Bullshit. Kann ich das hier mal für Leute erklären?“

Jemand kommt zum Lasern. Geht mit einem Workshop-Angebot. Jetzt planen wir den Kurs gemeinsam.

So etwas passiert, weil ein Raum existiert, in dem unterschiedliche Menschen nebeneinander stehen und ins Reden kommen.

Und zwischen all dem: Zwei neue Patinnen, die uns jetzt monatlich unterstützen. Stefan, der eine magnetische Kopfhörerhalterung druckt, damit alles wieder ein kleines bisschen ordentlicher wird. Jeden Tag ein Video, nicht weil die Welt das braucht. Sondern weil wir gemerkt haben: Wenn wir nicht hinschauen, rauscht alles vorbei.

Ein Raum wird mehr als ein Raum

Wir haben im März viel über den Makerspace als sozialen Ort nachgedacht. Als dritten Ort. Und manchmal fügen sich die Dinge dann einfach. Wir haben auf Instagram ein Profil entdeckt, das sich lokal gegen Einsamkeit engagiert. Sie suchen dritte Orte. Räume ohne Konsumzwang, in denen Menschen einfach zusammenkommen können.

Und wir haben gemerkt: Das sind wir. Nicht weil wir das geplant haben. Sondern weil ein Raum, in dem unterschiedliche Menschen nebeneinander an verschiedenen Dingen arbeiten, automatisch zu einem Ort wird, an dem Anschluss entsteht. Neben dem Löten, neben dem Drucken, neben dem Lasern.

Wir planen jetzt etwas gemeinsam. Was genau, wissen wir noch nicht. Aber dass ein Makerspace auch ein Ort gegen Einsamkeit sein kann, ist für uns mittlerweile sicher.

Manchmal wird ein Raum zu etwas, das größer ist als das, wofür man ihn gebaut hat.

Warum wir das aufschreiben

Die meisten Monate fühlen sich im Rückblick kürzer an, als sie waren. Nicht weil wenig passiert ist. Sondern weil niemand hingeschaut hat, während es passierte.

Dokumentation klingt nach Pflichtübung. Nach Quartalsberichten und Fördernachweisen. Aber für uns ist sie das Gegenteil. Sie ist der Versuch, das Rad nicht einfach so durchdrehen zu lassen. Sich zu erinnern, dass zwischen den Terminen die Dinge passieren, die eigentlich zählen. Ein Jugendlicher der einfach wiederkommt. Ein Gast der zum Workshopleiter wird. Ein Kuchen auf dem Scanner.

Natürlich ist Dokumentation wichtig fürs Management, für die Außenwirkung, als Nachweis für Förderer. Aber sie gibt auch Kraft. Sie ist der Moment, in dem wir sehen: Das hier funktioniert. Und es lohnt sich.

Und was hier passiert, ist zu gut zum Vergessen.