Unser Tag auf der Gründungsmesse Mittelhessen 2025: Ein Rückblick voller Begegnungen, Handwerk und Zukunftsmusik.
Der Tag im Schnelldurchlauf
Für alle, die es eilig haben. Das waren unsere Highlights:
- Wen wir getroffen haben: Vom 12-jährigen CEO mit eigenem Lasercutter über Start-ups wie Pluvara und Grounding Bracelet bis hin zu Raketenwissenschaftlern.
- Wo überall „Makerspace“ drinsteckt: In Achtsamkeits-Armbändern, riesigen Regenwassertrichtern, medizinischen Laborgeräten und sogar in Fallschirmen für Raketen.
- Wer uns den Rücken stärkt: Starke Partner wie die SWG, Creditreform Gießen Hain KG und natürlich das Team des TIG, die Innovation in der Region erst möglich machen.
Der Start: High-Touch statt High-Tech
Unser Tag auf der Gründungsmesse Mittelhessen 2025 beginnt wie jedes Jahr mit dem Aufbau unseres kleinen mobilen Makerspaces. Viel Holz, warme Maserung, haptische Exponate. Der Stand ist bewusst gar nicht so High-Tech, wie man es vielleicht von einem Makerspace erwarten würde, aber genau deshalb fallen wir auf. Inmitten von Hochglanz-Rollups schaffen wir eine Atmosphäre, die zum Stehenbleiben einlädt. Und genau dort findet statt, was unseren Makerspace ausmacht: Wir sind keine reine Werkstatt, wir sind Plattform, Treffpunkt und kreativer Knotenpunkt für Gießen und mittlerweile auch weit über die Grenzen der Region hinaus.
Und das Konzept geht auf: Kaum stand unsere kleine „Holzhütte“, kamen auch schon die ersten Besucher. Aus neugierigen Blicken wurden schnell intensive Dialoge, die uns wieder mal gezeigt haben, wie unfassbar breit Innovation in unserer Region gefächert ist. Vier Begegnungen, die uns an diesem Tag besonders im Gedächtnis geblieben sind, möchten wir hier mit euch teilen:
Begegnung 1: Wenn Bohrschlamm auf 3D-Druck trifft
Zwei Gründer, die bei einer Bohrfirma arbeiten, erzählen uns von ihrer Vision der Kreislaufwirtschaft: Bohrschlamm aus Bentonit soll recycelt werden. Sofort geraten wir ins gemeinsame Brainstorming: Warum das Material nicht verdrucken? Wir diskutieren Materialeigenschaften, Porosität und Druckverfahren. Hier zeigt sich die Stärke eines Makerspaces: Wir sind die Brücke zwischen einer vagen Idee und dem ersten Prototypen. Start-up-Mindset trifft auf Handwerk.
Begegnung 2: Der smarte Naturgarten
Weiter gehts mit einer Gründerin, die Naturgärten plant. Die Überraschung: Sie arbeitet hauptberuflich im IT-Bereich. Wir sprechen über Sensorik im Beet: Wie lassen sich Daten gewinnen, um die Natur besser zu verstehen, ohne sie zu technisieren? Wir diskutieren Open-Source-Sensoren und Datenvisualisierung. Die Erkenntnis: Gründung ist heute keine Einbahnstraße mehr. Handwerk, IT und Biologie verschmelzen – und der Makerspace ist das Labor für genau diese Schnittstellen.
Begegnung 3: Der 12-jährige Macher
Dann ein absolutes Highlight: Ein junger Macher, vielleicht 12 Jahre alt, steht vor uns. „Ich habe einen Lasercutter und nehme Aufträge an.“ Er ist jung, aber voller Eigeninitiative und Begeisterung. Sein Spirit steht für das, was wir fördern wollen: „Ich mach das selbst“, „Ich probier’s“, „Ich vernetz mich“. Wenn wir demnächst Anfragen für Kleinserien bekommen, wissen wir jetzt, an wen wir sie weiterleiten. Das ist Makerspace-Spirit in Reinform: Talente fördern, egal in welchem Alter.
Begegnung 4: Medizin aus dem Drucker
Zum Abschluss ein Gespräch mit einer angehenden Ärztin. Sie nutzt 3D-gedruckte Bauteile für ihre Doktorarbeit im Labor. Wir fachsimpeln über Materialien (PLA, PETG, biokompatible Kunststoffe) und Nachbearbeitung. Es wird deutlich: Auch die Medizinbranche findet bei uns einen offenen Raum zur Innovation, abseits von sterilen Industriehallen.
Unterwegs auf der Messe: Spurensuche
Zwischen den Gesprächen schlendern wir durch die Hallen, immer auf der Suche nach Verbindungen zu unserer Werkstatt. Und wie jedes Jahr werden fündig:
Nachhaltigkeit in Serie und Achtsamkeit zum Ansfassen
Der riesige Regenwasser-Trichter von Pluvara sticht sofort ins Auge. In unserer Werkstatt haben wir den ersten 3D-gedruckten Prototypen gesehen, hier steht nun das fertige Produkt. Eike, Mitgründer von Pluvara, erzählt uns stolz von der nachhaltigen Fertigung, die mittlerweile komplett in Deutschland stattfindet. In der Halle daneben treffen wir Laura Ihle, Gründerin von Grounding Bracelet. Die ersten Prototypen ihrer Achtsamkeitsarmbänder hat sie bei uns mit dem Lasercutter gefertigt.

Raketenbau und Health-Care Innovation
Ein weiterer Hingucker ist der Stand des Spaceflight Rocketry Gießen e.V. Die Mitglieder des Vereins sind schon lange fester Bestandteil unserer Community und haben so gut wie jede Maschine bei uns für ihre Projekte genutzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Von 3D-gedruckten Raketenteilen über geplottete Beschriftungen bis hin zum selbst genähten Fallschirm für eine sichere Landung. Ein besonders schönes Wiedersehen gab es auch mit Lena Hock. Ihren ersten Prototypen, einen Wärmegürtel für Menschen mit Unterleibsbeschwerden, hatte sie während der Prototyping Rallye der Hochschulen bei uns gefertigt. Zu sehen, wie sie diese Idee nun auf der Messe weiterträgt, ist der beste Beweis für unseren Impact.

Warum Makerspaces so wertvoll für die Gründungslandschaft sind
Egal ob bei den Gesprächen direkt an unserem Stand oder auf der Spurensuche in den Weiten der Messehallen – all diese Begegnungen zeigen eindrucksvoll, welche Infrastruktur eine Region braucht, um innovativ und resilient zu wachsen:
- Niederschwelliger Einstieg: Wer kein Budget für einen Maschinenpark hat, fängt einfach bei uns an.
- Interdisziplinäre Vernetzung: Handwerk trifft Tech trifft Design. Genau dieser Mix zeigte sich mehrfach an unserem Stand.
- Prototyping & Experiment: Ideen wie der Bentonit-Druck entstehen nicht im stillen Büro, sondern im Austausch an der Werkbank – mit echtem Werkzeug und direktem Feedback.
- Community & Sichtbarkeit: Auf der Messe wird deutlich: Ein Makerspace ist nicht nur Workshopraum, sondern eine Bühne – zum Netzwerken, Sichtbarwerden und Mitnehmen.
Starke Partner im Rücken
Ein solches Netzwerk funktioniert nicht allein. Auf der Messe haben wir einige unserer Partner getroffen, die unsere Mission teilen und uns tatkräftig unterstützen:
Stadtwerke Gießen (SWG)
Ein verlässlicher Partner, der sein Engagement bei uns im Makerspace letztes Jahr sogar noch ausgebaut hat. Dank der SWG können wir noch mehr chancengleiche Bildung für Gießen und die Region realisieren.
Creditreform Gießen Hain KG
Ein spannender Neuzugang in unserem Netzwerk seit diesem Jahr! Was mit einer Technikspende begann, hat sich schnell zu einer langfristigen Kooperation entwickelt. Umso schöner war es, Jörg Halbich (Marketingleiter) persönlich am Stand zu treffen und direkt über weitere gemeinsame Formate zu sprechen.

Ein besonderes Dankeschön
Bevor wir das Fazit dieses ereignisreichen Tages ziehen, möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Antje Bienert, der Geschäftsführerin des TIG (Technologie- und Innovationszentrum Gießen), und ihrem gesamten Team bedanken. Ihr steht uns seit der Gründung mit Rat und Tat zur Seite, ohne euch wären wir heute nicht da, wo wir sind. Danke, dass ihr uns jedes Jahr aufs Neue die Möglichkeit bietet, hier dabei zu sein, unser Netzwerk zu erweitern und die Community wiederzutreffen.
Der Tag danach – und was bleibt
Am Montagmorgen: Postfach voll mit Kooperationsanfragen. Dienstleister für 3D-Druck, Firmen mit Interesse an Schulklassen-Workshops, Einladungen – unser Stand war der Startpunkt. Wir danken allen Menschen für die vielen persönlichen und anregenden Gespräche. Jede Begegnung war ein Funke: „Was könnte sein?“ „Wie können wir zusammen etwas bewegen?“
Wir freuen uns auf die nächsten Projekte. Auf die Ideen von der Messe. Auf den Makerspace als Ort, an dem aus Gesprächen Wirklichkeit wird.