„Jeder Morgen ist wie Weihnachten“, sagt Anton Wiehe mit leichter Euphorie in unserem Livestream am 17. Juni. Damit meint er keine herkömmliche Beschenkung, sondern die Arbeit seiner KI über Nacht, während sie Informationen zu neuen Werken erzeugt. „Es kommt immer etwas Neues aus der KI heraus, womit man nicht gerechnet hätte.“

Am 17. Juni fand im Makerspace Gießen per Livestream der Diskussionsabend zu Digitalisierung in der Kunst statt und brachte sehr unterschiedliche und interessante Referenten zusammen.
Bei einem lockeren Zusammensitzen diskutierten Thomas Vinson, Dozent am Fachbereich Architektur / Bauwesen an der THM, Andreas Walther, freischaffender Künstler, und Anton Wiehe, Mitgründer des KI-Startups AdaLab.ai, per Videokonferenz und auf dem Podium über den Wandel der Kunst durch moderne Technologien wie  3D-Druck oder auch Künstliche Intelligenz.

Sehr interessant in der Diskussion ist der künstlerische Weg von Walther und Vinson, welcher sich von relativ traditionellen Einflüssen zu digital-unterstützter Kunst wandelte. Gründe für beide waren unter anderem Effizienz, Neugier, Dynamik und die Eröffnung neuer Möglichkeiten durch Präzision und Handwerk, welche für menschliche Fähigkeiten nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind. „Es ist ein Medium, das eine Vervielfältigung ermöglicht.“, sagt Vinson mit einem leichten Grinsen im Gesicht während er von einem Projekt am Lasercutter erzählt. Er weiß, dass die Herstellung eines zweiten Kunstobjekts sicher möglich wäre, aber erfreut sich an dem Unikat, welches er mittels seiner Idee und der Präzision des Lasers erschaffen konnte. Plötzlich ist Vervielfältigung ein Leichtes, dennoch sehen beide Künstler die Kunst weit entfernt von der Produktion, da Kunst auch immer Auseinandersetzung, Ernsthaftigkeit und gesellschaftliche Relevanz bedeute.

Ebenso spannend ist der Beitrag von Anton Wiehe, welcher eine Künstliche  Intelligenz geschaffen hat, die Bilder kreiert. Durch eine simple Texteingabe, wie „Consciousness“, interpretiert das Programm diese und schafft aufgrund von maschinellem Lernen völlig einzigartige und nie da gewesene Bilder. Die Ergebnisse sehen häufig sehr abstrus und verspielt aus und doch passt die Interpretation der KI immer zum Text. Eine neue Art moderner Kunst entsteht, bei der der oder die Künstler:in nicht ganz leicht festzulegen ist. Wiehe sieht sich selbst bescheiden eher weniger als den Künstler der entstandenen Werke. Ihn interessiert mehr das Verstehen des Prozesses, den die KI bei der Erschaffung durchläuft.

Neben weiteren Themen, wie die Finanzierung als Künstler:in in der heutigen Zeit und die Ermöglichung der Umsetzung von Ideen durch Digitalisierung werden die drei Referenten auch gefragt, was sie sich für die Zukunft bezüglich des Themas wünschen: Vinson verdeutlicht, dass Digitalisierung dem traditionellen Kunstgedanken nicht alles nehmen könne. Kunst zu kreieren sei noch immer mit menschlichem Schaffen verbunden und tief in uns verankert. Menschen sollen ein wirkliches Erleben haben. Walther appelliert daran „Körper und Geist zusammenzuführen“ und Kunst wieder bewusster wahrzunehmen. Die Diskussion schließt Wiehe ab: Er sieht einen wichtigen Verbindungspunkt zwischen digitaler Kunst und der Existenz in der „realen“ Welt. So verdeutlicht er noch einmal die Möglichkeiten und die Vielfalt, die digitale Medien der Kunst und uns Menschen ermöglichen.
Es ergibt sich aus dem Abend, dass eine Kombination zwischen Tradition und Fortschritt in der Kunst womöglich ein Weg sein könnte, der sich für uns alle anzustreben lohnt.

An dieser Stelle möchten wir uns bei den Podiumsgästen – reale und virtuelle – herzlich für ihre interessanten Einblicke bedanken! Auch dem Streaming-Team gebührt unser Dank!

Die Aufzeichnung des Abends:

Webseiten der Diskussionsteilnehmer:

Andreas Walther: https://andreaswalther.de/

Anton Wiehe: https://adalab.ai/

Thomas Vinson: https://www.thomas-vinson.com/

LinkedIn-Profile des Streaming-Teams:

Maurice Jelinski: https://www.linkedin.com/in/maurice-jelinski-6a889286/

Thomas Niederhaus: https://www.linkedin.com/in/thomas-niederhaus-791a79191/